Inklusive Arbeit

Behinderte junge Menschen in Arbeit zu bringen fällt vielen Einrichtungen aber auch Unternehmen schwer. Seit 40 Jahren hat sich der Trend herausgebildet, Sondereinrichtungen zu schaffen, in denen diese Menschen qualifiziert, ausgebildet und beschäftigt werden. Die grössten „Schiffe“ sind die Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) aber auch Berufsbildungswerke spielen eine wichtige Rolle. Die Argumentationen für diese Einrichtungen gestalten sich analog zu denen von Sonderschulen:

  • Behinderte Menschen benötigen eine besondere individuelle Qualifizierung und Förderung
  • Unternehmen haben kein Interesse an behinderten Menschen und kommen ihren Verpflichtungen nicht nach
  • Sonderschüler/innen haben nicht die notwendige Befähigung, um auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuss zu fassen

Diese Liste liesse sich noch fortsetzen. Eine Auffälligkeit ist bei diesen Argumenten die Trennung zwischen den individuellen (eingeschränkten) Fähigkeiten, auf die sich in der – im Wesentlichen pädagogischen Literatur – bezogen wird. Der andere Aspekt ist der Vorwurf an die Unternehmen, mit einem gleichzeitigen Mangel an qualitativer Unterstützungsmechanismen für Unternehmen auf lange Sicht. Diese Darstellung der Mängel ist eine klassische defektive und problemzentrierte Sichtweise, ohne ausreichend an die Ziele und Lösungen zu denken.

Ein möglicher lebensweltlicher und zweigleisiger Ansatz wird durch das Buch Das Router Prinzip beschrieben. Ausgehend von einem positiven Verständnis des Willens in einigen Betrieben (Bedarf an speziellen Arbeitskräften, Bereitschaft behinderte Menschen einzustellen) wird ein Ansatz vorgestellt, der an sich keine neuen Ideen verkauft, diese aber neu zusammensetzt: vom Unternehmen und behinderten Menschen aus. die Pädagogik ist nur ein „Gewürz“ in diesem Ansatz.

Das RouterPrinzip nutzt Elemente des zweigleisigen Ansatzes, der seit ca. 10 Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit genutzt wird, wenn behinderten Menschen Unterstützung gegeben werden soll. Er setzt in Unternehmen an mit der Klärung des Arbeitsplatzes, der Kostendiskussion und der Beteiligung der Unternehmen an den Kosten aber auch am Unterstützungsbedarf in Unternehmen, für den Fall, dass behinderte Menschen dort beschäftigt werden. In der konkreten Einbziehung behinderter Mitarbeiter findete eine Trennung zwischen der konkreten Beeinträchtigung und der möglichen daraus resultierenden Behinderung statt. Das Besondere ist hier die Wahrnehmung der Behinderung als Resultat der Interaktion zwischen dem Individuum und der sozialen Kommunikation.

Die Zielgruppe des Buches sind Unternehmen und behinderte junge Menschen. Für Pädagogen gibt es auch neue Ideen der konkreten Arbeit und vielmehr ihrer Rolle in dem Prozess der Teilhabe am Arbeitsleben.

Behindertenrechtskonvention und Eingliederungshilfe

Dr. Theresia Degener veröffentlichte in der Zeitschrift behindertenrecht 2/2009 den Artikel Welche legislativen Herausforderungen bestehen in Bezug auf die nationale Implementierung der UN-Behindertenrechtskonvention in Bund und Ländern?. Sie beschreibt die Bereiche allgemeine Behindertenpolitik, behinderte Frauen, behinderte Kinder, Schutz und Sicherheit der Person, Selbstbestimmung, Freiheits-/Teilhaberechte, Solidaritätsrechte und internationale Zusammenarbeit. In ihrem Artikel stehen die Inhalte und die Ausrichtung im Zentrum. Über diese Inhalte hinaus betrifft die BRK aber auch die Mitbestimmung am gesellschaftlichen Leben und ebenso wichtig die Selbstbestimmung:

n) in der Erkenntnis, wie wichtig die individuelle Autonomie und Unabhängigkeit Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen ist, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, (BRK Präambel)

Die Eingliederungshilfe, im Kern das Sozialgesetzbuch XII, ist für das Leben behinderter Menschen in Deutschland von großer Bedeutung. Hier werden im Wesentlichen Unterstützungen in den Bereichen Wohnen, zum Teil Pflege und auch Teilhabe am Leben der Gesellschaft beschrieben:

Besondere Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es, eine drohende Behinderung zu verhüten oder eine Behinderung oder deren Folgen zu beseitigen oder zu mildern und die behinderten Menschen in die Gesellschaft einzugliedern. Hierzu gehört insbesondere, den behinderten Menschen die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen oder zu erleichtern, ihnen die Ausübung eines angemessenen Berufs oder einer sonstigen angemessenen Tätigkeit zu ermöglichen oder sie so weit wie möglich unabhängig von Pflege zu machen. (SGB XII, §53, Abs.3)

In diesem Bereich kommt den Trägern der Eingliederungshilfe eine große Bedeutung zu, wie in SGB §§ 75 Einrichtungen und Dienste und § 79 Rahmenverträge. Diese Paragrafen beschreiben die Prozesse für die Verhandlungen der notwendigen Verträge auf Landesebene. Die Rahmenverträge auf Landesebene haben eine hohe Bedeutung für die Ausgestaltung der Leistungen und die grobe Finanzierung z.B. im Bereich Wohnen, Tagesgestaltung und ähnliches. Wer für die Einrichtungen und Dienste in den Verhandlungen vertritt, wird wiederum in §5 „Verhältnis zur freien Wohlfahrtspflege“ SGB erläutert:

[…]
(2) Die Träger der Sozialhilfe sollen bei der Durchführung dieses Buches mit den Kirchen und Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts sowie den Verbänden der freien Wohlfahrtspflege zusammenarbeiten. Sie achten dabei deren Selbständigkeit in Zielsetzung und Durchführung ihrer Aufgaben.
(3) Die Zusammenarbeit soll darauf gerichtet sein, dass sich die Sozialhilfe und die Tätigkeit der freien Wohlfahrtspflege zum Wohle der Leistungsberechtigten wirksam ergänzen. Die Träger der Sozialhilfe sollen die Verbände der freien Wohlfahrtspflege in ihrer Tätigkeit auf dem Gebiet der Sozialhilfe angemessen unterstützen.
(4) Wird die Leistung im Einzelfall durch die freie Wohlfahrtspflege erbracht, sollen die Träger der Sozialhilfe von der Durchführung eigener Maßnahmen absehen. Dies gilt nicht für die Erbringung von Geldleistungen.
(5) Die Träger der Sozialhilfe können allgemein an der Durchführung ihrer Aufgaben nach diesem Buch die Verbände der freien Wohlfahrtspflege beteiligen oder ihnen die Durchführung solcher Aufgaben übertragen, wenn die Verbände mit der Beteiligung oder Übertragung einverstanden sind. Die Träger der Sozialhilfe bleiben den Leistungsberechtigten gegenüber verantwortlich.
[…]

Selbstvertreterverbände von behinderten Menschen werden hier nicht gesondert erwähnt. Viele Verbände der Freien Wohlfahrt und der Kirchen haben ebenfalls Mitgliedsorganisationen, die von behinderten Menschen geleitet werden, aber sie sind in der Regel nicht in der Mehrheit.

Ob das SGB XII den Inhalten der BRK entspricht, wird hoffentlich noch geprüft werden, um die Selbstbestimmung behinderter Menschen auf Landesebene inklusiver zu gestalten.

Das BMAS will Inklusion ohne zu viel Inklusion

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) wird morgen wohl einen ersten Entwurf eines Aktionsplanes für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention vorstellen. Hierzu werden Vertreter/innen mit Behinderung eingeladen, um sie darüber zu informieren. Das Dumme ist, dass das BMAS mit ihrem Vorgehen wohl bereits die Kernidee der Konvention verletzt, nämlich die Teilhabe behinderter Menschen an diesem Prozess (Artikel 4 General Obligations):

In the development and implementation of legislation and policies to implement the present Convention, and in other decision-making processes concerning issues relating to persons with disabilities, States Parties shall closely consult with and actively involve persons with disabilities [Hervorhebung durch den Autoren], including children with disabilities, through their representative organizations.

Würde das BMAS die UN Konvention wirklich ernst nehmen, dann wären behinderte Menschen bereits vorher in diesen Prozess eingebunden worden. Die jetzige Information von Verbänden und behinderten Menschen zeigt aber bereits, dass die Menschen, deren Rechte durch diese Konvention zu 100% wahrgenommen werden sollen nicht entsprechend berücksichtigt werden.

Dies zeigt eine wunderbare und absurde Situation, die hier in Deutschland besonders unter schwarz-gelb deutlich wird: Die Menschen, die an der Konvention mitgearbeitet haben und maßgeblich geprägt haben werden von der hiesigen Regierung nicht ernst genommen. Auch wäre eine bessere Transparenz wünschenswert. Tragischer Weise spiegelt dieses Vorgehen eine sehr deutsche Arbeitsweise wider, die auch in anderen Bereichen, wie z.B. der Bildungspolitik, zu sehen ist.

Es bleibt zu hoffen, dass die sich trotzdem noch Dinge bewegen und eine inklusive Politik hierzulande umgesetzt wird.

So long….
(Berlin, eigene Quellen)

Hartz IV in die Gemeinnützigkeit

Die gute alte SPD hat mit Hannelore Kraft eine wunderbare Person gefunden, die allen Ernstes folgendes vorschlägt:

Nicht vermittelbare Langzeitarbeitlose sollen für „einen symbolischen Aufschlag auf die Hartz-IV-Sätze“ gemeinnützig arbeiten – etwa in Altenheimen oder Sportvereinen (Zitat aus Spiegel, gesehen am 7. März 2010)

Dies ist ja nichts an sich Neues, Anfang 2008 gab es schon die Initiative Menschen für einen Euro als Altenpfleger einzusetzen. Aber es ist erschreckend zu sehen, wie tief sich diese Idee in die allgemeine Wahrnehmung eingeschliffen hat. Der Punkt ist nicht, dass es verwerflich ist, Arbeitslosengeld II Bezieher für den sozialen Bereich zu qualifizieren. Schlimmer ist die damit verbundene Abwertung des gesamten sozialen Bereiches, die quasi so abläuft: (1) Ah, im sozialen Bereich haben wir eine große Lücke von Mitarbeitern. (2) Sollen wir nicht mal sehen, wie wir den günstig besetzen können? (3) Oh, da sind Hartz IV Empfänger, die haben ja eh nichts zu tun, also setzen wir die dort rein.

Warum kommt denn nie jemand auf die Idee, Ein Euro Jobber in Banken einzusetzen? Schlimmer kann es ja dort auch nicht werden? Oder was ist mit Management Positionen bei der Berliner S-Bahn? Menschen, die mit geringen Monatssätzen leben können und für ihre Kinder eine gute Ausbildung sorgen müssen, schaffen es bestimmt besser als Manager der Deutschen Bahn, ein S-Bahn Netz zu organisieren.

So long….

Bayern grenzt aus

In der Augsburger Allgemeinen ist ein Artikel über die Vergrößerung der Regens-Wagner-Werkstätten in Dillingen. Die Nachricht ist an sich nicht interessant, weil nichts Neues erzählt wird: Werkstätten für behinderte Menschen wachsen, weil es so ist. Lediglich bei einem Zitat wird mal wieder klar, dass die Ideen der Behindertenrechtskonvention und der Inklusion noch nicht bei der Mehrheit der Bevölkerung angekommen sind:

Da die vorübergehend genutzten Räume den Bedürfnissen der Beschäftigten dauerhaft nicht gerecht werden, sollen nun in einem neuen Werkstattgebäude Gruppenräume und Arbeitsplätze für rund 60 Beschäftigte entstehen.

Dass Werkstätten für behinderte Menschen an sich nicht den Bedürfnissen behinderter Menschen gerecht werden, weil sie erstens nicht zu ihrer Inklusion beitragen und zweitens gegen den Geist der Behindertenrechtskonvention gehen, kommt den Journalisten nicht in den Sinn. wie wäre es zum Beispiel gewesen, wenn die WfbM dieses Geld in eine neue Struktur investiert hätte, um betriebsintegrierte Arbeitsplätze zu schaffen?

Nebenbei bemerkt, wie hoch sind die Sätze pro Person im Bildungs- oder Arbeitsbereich? Diese sollten zusammen mit dem erwirtschafteten Gewinn von WfbMs eigentlich reichen und nicht noch Zuschüsse von 1,9 Millionen Euro erfordern…

Aber das ist ja in Deutschland nun wirklich nichts Neues.

So long

Die Barrieren in den Köpfen

Am 8. Februar hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Interview zwischen dem Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss-Lausitz und dem Sonderschulleiters (sic!) Thomas Stöppler, der gleichzeitig der Vorsitzende des baden-württembergischen Verbandes Sonderpädagogik e.V. ist, mit dem Titel Das Recht auf Miteinander veröffentlicht. In dem Gespräch geht es um den Sinn und Unsinn von sonderpädagogischen Fördereinrichtungen.
Die Positionen der beiden Gesprächspartner sind von Beginn an deutlich:

  • Herr Preuss-Lausitz, als ein bekannter Verfechter integrativer Ansätze in der Schule, sieht die Sonderschulen als überflüssig an.
  • Herr Stöppler, als Sonderschullehrer und Teil eines Standesverbandes der Sonderpädagogen, sieht in den Sonderschulen als Notwendigkeit für die entsprechende individuelle Förderung an.

Herr Preuss-Lausitz argumentiert, dass bereits die Zuweisung auf die Sonderschulen nicht eindeutig ist. Anhand der Beispiele verschiedener Bundesländer legt er dar, dass die Anteile behinderter Schüler an den einzelnen Schulen auf Verzerrung in der Zuweisung hinweisen.

Herr Stöppler verwies einfach darauf, dass es wichtig ist, für behinderte Schüler innerhalb einer homogenen Gruppe unterrichtet zu werden, da an Regelschulen keine Schüler mit ähnlichen Lebenserfahrungen sind. Wenn seit Jahrzehnten behinderte Schüler an Sonderschulen unterrichtet werden, ist es kein Wunder, dass die Kultur des gemeinsamen Lernens nicht von jetzt auf gleich verwirklicht werden kann. Außerdem geht es auch Schülern ohne Behinderung so, dass sie keine Schüler mit ähnlichen Erfahrungen an der Schule kennen lernen. Dies ist – zum Teil – eine Erfahrung, die zum Leben gehört, auch wenn dies nicht immer angenehm ist.

Zusätzlich scheint er einem Weltbild zu folgen, in dem behinderte Kinder nicht gesund sind: „Diese Schüler kann man nicht alle mit gesunden Kindern so nebenbei im Klassenraum unterrichten!“. Da fragt man sich schon, ob er nicht die Diskussionen der letzten Jahre einfach verpasst hat. Ein behindertes Kind ist nicht krank …. nun es kann krank werden und eine Erkältung bekommen, aber eine Behinderung ist keine Krankheit.

Herrn Stöpplers Argumente gehen immer wieder in die Richtung, dass behinderte Schüler nicht entsprechend an Regelschulen unterrichtet werden können. Dass dies auf eine Schulstruktur zurückgeht, die per se ausgrenzend ist, ein wesentliches Merkmal des dreigliedrigen Schulsystems, scheint ihm nicht klar zu sein. Einerseits redet er über die individuelle Förderung einzelner Schüler, aber andererseits bevorzugt er diese Personengruppe in der Gruppe an Sonderschulen zu unterrichten.

Dieses Interview ist kein besonderes. Die Argumente von beiden Seiten sind altbekannt und eigentlich ist es nicht notwendig, diese zu diskutieren. Aber es ist ein Beispiel, dass alle Argumente beider Seiten prägnant zusammenfasst und allen vor Augen führt.

So long….

Behinderung international

Entwicklungszusammenarbeit und Behinderung; in Deutschland findet dieses Thema kein großes Interesse. Bei der Eröffnungsveranstaltung der Wanderausstellung „Entwicklung ist für Alle da“ des Vereins Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit wurde dies zum wiederholten Male deutlich. Obwohl der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von behinderten Menschen – Herr Hüppe – und auch die Geschäftsführerin der Initiative Selbstbestimmt Leben – Frau Sigrid Arnade – zu den Themen Behindertenrechtskonvention und Entwicklungszusammenarbeit sprachen, kamen nur 15 Zuhörer/innen zu der Veranstaltung in das Kleisthaus in Berlin Mitte am 9. Februar 2010.
Alle Redner/innen hoben die Bedeutung der Behindertenrechtskonvention (BRK) für Deutschland hervor, vor allem im Hinblick auf Entwicklungszusammenarbeit. Herr Hüppe unterstrich, dass die BRK eine Zusammenarbeit „auf gleicher Augenhöhe zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern“ meint. Auch wenn es in Deutschland ein breites Unterstützungsangebot für behinderte Menschen existiert, muss hier noch ein weiter Weg zurückgelegt und Entwicklungen initiiert werden, bis die Gesellschaft inklusiv ist.
Frau Arnade stellte die Bedeutung der BRK für Deutschland dar. Die Konvention ist keine Neuformulierung der Menschenrechte für behinderte Menschen, da die bisherigen Konventionen für alle Menschen gelten. Vielmehr wird die Bedeutung der Menschenrechte durch die BRK auf die Lebenswirklichkeit behinderter Menschen übertragen. Für Deutschland sieht Frau Arnade einen großen Handlungsbedarf, der bisher auch von der schwarz-gelben Regierungskoalition bisher nicht angegangen wurde.
Die Vertreterin des Vereins Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit – Frau Bübl – ging auf den Artikel 32 „Internationale Zusammenarbeit“ der BRK ein und unterstrich nochmals die Zusammenhänge von Armut und Behinderung. Werden die Belange von behinderten Menschen nicht angegangen, dann können auch nicht die Millenniums Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht werden.
In Deutschland gibt es nur wenige Vereine und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die sich nicht ausschließlich auf behinderte Menschen konzentrieren, sondern sie inklusiv in ihre Projekte mit einbeziehen. Eine Ausnahme ist der Verein Solidarität International . Die Geschäftsführerin Frau Werther präsentierte ein solches inklusives Projekt aus Vietnam. Abgeschlossen wurden die Präsentationen von Frau Barbara Zwosta, die mit dem Verein Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen des Programmes weltwärts für acht Monate in einem Projekt für die Unterstützung behinderter Kinder in Südafrika war.
Was bleibt nach der Veranstaltung? Wahrscheinlich nicht sehr viel. Behinderte Menschen werden häufig nicht als Priorität gesehen, weder in Deutschland noch in der internationalen Zusammenarbeit. Dennoch ist deutlich, dass sich dieses Thema immer mehr Gehör verschafft, da es alle Menschen betreffen kann.

Alles anders herum

Die Britische „Disability Rights Commission“ haben einen Spot auf Youtube, der auf drastische Art zeigt, wie sich Diskriminierung anfühlt.

Ein belgischer Spot

Dieser Spot auf Youtube stammt von einem belgischen Verein, der für die Teilhabe von behinderten Menschen  eintritt. Im Grunde genommen seht ihr in dem Spot einen Mann, der im Restaurant über Frauen herzieht und sehr sexistisch ist. Am Ende ändert sich die Kameraperspektive und ihr seht, dass der Mann in einem Rollstuhl sitzt. Die Stimme aus dem Off sagt: „Dieser Mann ist behindert. Aber vor allem ist er ein Arschloch. Behinderte Männer und Frauen sind Menschen wie alle anderen“.

Grand Corps Malade im Konzert

Wie schreibt man nun bloß über diesen Musiker Grand Corps Malade? Er hatte seinen Auftritt am 26. Januar im Berliner Admiralspalast, zusammen mit dem deutschen Slamer Bas Bötcher. Grand Corps trat mit vier Musikern auf, die eine jazzige und tanzbare Musik.

Seine Texte, vorgetragen durch seine Bass Stimme, haben Inhalt: die Liebe, seinen Stadt Teil St. Denis, das Bildungswesen in Frankreich oder „seinen Kopf, sein Herz und seine Eier“. Der Saal war voll mit Schülern der verschiedenen Europa Schulen mit französischer Ausrichtung und natürlich den dazu gehörigen Lehrern. Die Intensität seiner Texte und Melodien erinnern an alte Chansons mit einer neuen Perspektive. Sein Song „Midi 20“ berührt. Er beschreibt sein Leben, wie es sich in einem Tag darstellen lässt. Oder der Sprech Gesang über „Pere et Mere“ zeigen einen Sprachwitz, der zwar nicht leicht verständlich ist, wenn Französisch nicht die Muttersprache ist.

Was bleibt nach dem Konzert dieses Künstlers, der in Frankreich in den Top 10 ist? Auf jeden Fall ein wunderbarer Abend! Dass Grand Corps immer mit Krücke auf der Bühne ist und seit mehr als 10 Jahren querschnittsgelähmt ist, fällt nicht auf. Er passt nicht in das Bild behinderter Menschen, das in unseren Köpfen existiert. Aber auch das nimmt er auf in seinen Liedern: es ist halt in unseren Köpfen und wird erst durch sie zu einer Behinderung.

So long…