Inclusion2010:Heime für behinderte Menschen


In einer Session am 17. Juni wurde das Recht auf ein gemeinsames Leben diskutiert. Zentral für dieses Thema ist die Wohnsituation behinderter Menschen, die in vielen Ländern durch die Heimunterbringung charakterisiert wird. Zwei Beiträge aus Bulgarien und Kanada illustrieren die Schwierigkeiten und Herausforderungen in diesem Punkt.

Frau Papka Panayatova (Independent Living Bulgaria) berichtete über den Veränderungsprozess der Wohnformen für behinderte Menschen in Bulgarien. Ende der 90er Jahre gab es eine hohe Aufmerksamkeit von Menschenrechtsorganisationen für die stationären Wohneinrichtungen im Land. Im Anschluss wurden durch internationale Geldgeber Finanzen für die Reform der Wohnformen gegeben. Diese Ressourcen wurden für die Renovierung für die Einrichtungen genutzt, ohne aber die Frage zu stellen, ob Wohnheime eine Lösung sind, die den Menschenrechten entspricht. aus diesem Grund wurde der Aufbau von alternativen menschenrechtsorientierten Dienstleistungen für behinderte Menschen und deren Familien nicht vorangetrieben. Frau Panayatova kritisierte die Einstellungen de Geldgeber, dass Gelder ohne einen inklusiven Plan gegeben wurden. Menschenrechten, Barrieren und das Mainstreaming von Menschenrechten wurden nicht in Angriff genommen. Ihre Schlussforderungen stellten die Wichtigkeit des Empowerment behinderter Menschen, die angemessene Einbindung der Familien und die entsprechende Weiterbildung von Fachkräften in den Mittelpunkt.
Don Gallant unterstrich in seinem Beitrag aus Kanada die Feststellung, dass Institutionen nicht einfach verändert werden können. Vielmehr müssten sie geschlossen werden, um eine gemeindenahe Versorgung zu ermöglichen. Herr Gallant war vor 20 Jahren verantwortlich für die Schließung von zwei großen Einrichtungen. In seiner Wahrnehmung ist das gesellschaftliche Verständnis von Behinderung ausschlaggebend. Dieses wurde über Jahrhunderte vor allem durch den Fürsorgegedanken für und die vermeintlich schwer mögliche Selbstständigkeit von behinderten Menschen geprägt. Solange Wohneinrichtungen in großer Zahl existieren, werden behinderte Menschen – in seinen Worten – immer wieder in Wohneinrichtungen gedrängt. Für ihn ist die Größe der Wohneinrichtung nicht ausschlaggebend, sondern die Struktur und die Fachkräfte, die die Versorgung übernehmen. Nur der gesellschaftliche Umdenkprozess und die Entwicklung entsprechender unterstützender Strukturen zusammen mit dem entsprechenden politischen Willen können langfristig neue qualitativ hochwertige gemeindenahe Strukturen entstehen lassen.
In Kanada führte der starke politische Wille zu der Schließung aller stationären Wohneinrichtungen in fast allen Regionen des Landes. Die kanadische Regierung investierte Ende der 80er Jahre Geld in die Schließung von Einrichtungen, parallel zu der Unterstützung von Einrichtungen. Dies führte in Übergangsphase für höhere staatliche Kosten, erreichte aber den gewünschten Effekt. heute finden sich trotz dieser Erfolge aber noch tausende behinderter junger Erwachsene in anderen Institutionen für ältere Menschen oder Krankenhäuser. Zusammenfassend hebt Herr Gallant die Rolle der Familien und Selbstvertreter als wichtige Akteure der Verändernug hervor. Die politische und bürokratische Unterstützung ist in dem Prozess enorm wichtig, damit die neuen Visionen entwickelt werden können.
Diese beiden Beiträge verdeutlichten auch viele Probleme, die es in Deutschland gibt. Stationäre Wohneinrichtungen existieren und es fällt schwer, neue Strukturen zu schaffen. Einerseits wird dies auf die fehlenden Finanzen andererseits auf die fehlende Selbstständigkeit behinderter Menschen geschoben. Die Einrichtungen an sich werden aber nicht im wesentlichen in Frage gestellt. Der Weg zu einer inklusiven Gesellschaft ist noch lang, nicht nur außerhalb von Deutschland.

So long….

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