#signezlepact – Inklusion von Behinderung in die Programme tunesischer Parteien

Die tunesischen Organisationen tunesische OTDDPH und FATH starten heute ihre Kampagne Signezlepact für die Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung in den Programmen tunesischer Parteien. Die Vorbereitungen der Kampagne starteten bereits im Frühjahr im Rahmen des Projektes LEAD in Partnerschaft mit Handicap International.
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Umgang mit Behinderten – häufig gestellte Fragen

Viele Menschen sind unsicher, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen sollen. Die Antwort ist eigentlich sehr einfach: Sie wollen nicht anders behandelt werden als andere Menschen.
In den jeweiligen Communities kursieren zahllose Anekdoten über das seltsame Verhalten Nicht-Behinderter im Umgang mit Behinderten. Es ist zum Beispiel eher sinnfrei, besonders laut oder besonders langsam mit einem Blinden zu sprechen. Es gibt einige Grundregeln, an denen man sich orientieren kann, wenn man unsicher ist.

Behinderung kein Thema für Smalltalk

Die meisten Behinderten haben kein Problem damit, über ihre Behinderung zu sprechen. Wir haben aber ein sehr feines Gespür dafür, ob sich jemand tatsächlich für die Behinderung oder für uns als Person interessiert oder nur Smalltalk betreiben möchte. Außerdem möchte niemand auf seine Behinderung reduziert werden. Man kann auch über andere Themen sprechen. Was viele überraschen mag ist die große Zahl an blinden Fußballfans. Sprechen Sie also nur über die Behinderung, wenn Sie sich tatsächlich für die Person oder die Behinderung interessieren. Es ist auch kein Problem, konkrete Fragen zu Blindenschrift, Gebärdensprache oder anderen behindertenspezifischen Themen zu stellen.

Helfen, wo nötig

Man sollte niemandem seine Hilfe aufdrängen. Es spricht nichts dagegen, jemanden zu fragen, ob er Hilfe braucht. Wenn er das verneint, sollte man es auch gut sein lassen. Blinde wirken oft ein wenig orientierungslos, wenn sie mit einem Blindenstock unterwegs sind. Meistens stimmt das aber nicht, sie suchen gezielten nach bestimmten Orientierungspunkten und müssen daher ein wenig hin und her laufen, um diese Punkte zu finden.
In jedem Fall sollte man einen Menschen nie ohne dessen Erlaubnis anfassen. Die einzige Ausnahme ist, wenn er sich offensichtlich in Gefahr befindet. In allen anderen Fällen ist unerlaubter Körperkontakt eine Verletzung der Intimsphäre, die man auch bei sich selber durch Fremde nicht zulassen würde.

Vergiftetes Lob

Manchmal ist in einem Kompliment eine Beleidigung versteckt. Wenn ich einem Blinden sage, wie toll ich das finde, dass er sich so gut orientieren kann, schwingen einige negative Botschaften mit:

  1. Blinde sind im Allgemeinen unfähig, sich selbstständig zu orientieren, du bist die Ausnahme.
  2. Wenn er auch sonst nichts kann, für irgendwas muss er gelobt werden.
  3. Blinde sind ja doch nicht total unfähig.

Vielleicht war in Wirklichkeit gemeint, ich finde es super, dass sich Menschen auch ohne Augenlicht orientieren können. Diese Formulierung wäre in dieser Situation die einzig sinnvolle, denn vor allem Geburtsblinde sind es gewöhnt, sich so zu orientieren. Ich würde auch einen 12-jährigen nicht dafür loben, dass er sich allein anziehen oder aufs Klo gehen kann.

Begleitperson

Es ist immer noch eine Unart, mit der Begleitperson zu sprechen, wenn der Behinderte eine dabei hat. Wir lernen schon im Kindergarten, dass wir nicht über anwesende Personen sprechen, als ob sie nicht da wären. Selbst bei einem Gehörlosen, der einen Gebärdendolmetscher dabei hat, sieht und spricht man den Gehörlosen selbst in der ersten Person an und nicht dessen Dolmetscher.

Politische Korrektheit

Den meisten Blinden ist es egal, ob man das Wort sehen in ihrer Gegenwart verwendet oder nicht. Nach meinem Eindruck sind es vor allem Nicht-Behinderte, die großen Wert auf politische Korrektheit legen. Der Versuch, bestimmte Begriffe zu verwenden und andere zu vermeiden blockiert die Kommunikation und lässt die Gesprächspartner verkrampfen. Bis auf die oben genannten doppel deutigen Komplimente sollte man in der direkten Kommunikation nicht ständig auf die richtige Wortwahl konzentrieren.

Fazit

Die Unsicherheit ist teilweise nachvollziehbar. Zum einen haben viele Menschen so gut wie nie direkten Kontakt mit Behinderten. Zum anderen sagt ihnen aber auch niemand, wie sie es richtig machen sollten.
Ich sehe auch uns selber in der Pflicht, stärker in die Öffentlichkeit zu gehen und den Mitmenschen so die Möglichkeit zu geben, sich an Behinderte zu gewöhnen. Daran erkennen wir aber auch, wie dringend wir eine inklusive Gesellschaft brauchen.

Lesestoff

Nicht so sondern so
Nicht so – sondern so. Kleiner Ratgeber für den Umgang mit blinden Menschen des DBSV als PDF
Bei Not quite like Beethoven oder Die Welt mit den Augen sehenliest man einiges über die Schwierigkeiten von Gehörlosen
Im Blog Realitätsfilter gibt es einige interessante Beiträge zum Autismus

Deutscher Staatenbericht, arabische Länder und BRK

Deutschland hat bis heute noch keinen Staatenbericht für die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung bei den Vereinten Nationen eingereicht. Somit wurde die vorgegebene Frist verstreichen lassen!

Aus diesem Anlass und der aktuellen Entwicklungen in arabischen Ländern der letzten Monate eine kleine Zusammenstellung (basierend auf den Angaben der UN für die Zeichnungen der UN-Konvention und der Tagespresse):

Land Unterzeichnung Konvention Ratifizierung Konvention Staatenbericht
Unterzeichnung Protokoll Ratifizierung Protokoll
Momentane Situation im Land
Ägypten 4.4.2007 14.4.2008  
   
Rücktritt des Präsidenten, starker Reformprozess
Algerien 30.3.2007 30.3.2007  
12.4.2009  
Punktuelle Demonstrationen
Bahrain 25.6.2007    
   
Dauerhafte Demonstrationen, Präsenz von US-Truppen, Eingriff von Truppen aus Saudi Arabien
Jemen 30.3.2007 11.4.2007  
26.3.2009 26.3.2009
Präsindent will abdanken, dauerhafte Demonstrationen oder Volksaufstände
Jordanien 30.3.2007 30.3.2007  
31.3.2008  
Dauerhafte Demonstrationen
Libanon 14.6.2007 14.6.2007  
   
Interne Spannungen, Spannung mit Israel
Lybien 1.5.2008    
   
Bürgerkrieg und Intervention einer internationalen Allianz
Marokko 30.3.2007    
8.4.2009 8.4.2009
Punktuelle Demonstrationen, König verspricht Reformen
Tunesien 30.3.2007 30.3.2007 Staatenbericht auf den Seiten des UN Hochkommissars für Menschenrechte
2.4.2008 2.4.2008
Präsident geflüchtet, starke Reformprozesse, unruhige Lage
Syrien 30.3.2007    
10.7.2009 10.7.2009
Demonstrationen mit starken Ausschreitungen und Toten, Präsident verspricht Reformen
Im Vergleich dazu Deutschland
Deutschland 30.3.2007 30.3.2007 Deutschland schaffte es nicht, innerhalb der verbindlichen 2-Jahresfrist den 1. Staatenbericht einzureichen
24.2.2009 24.2.2009
Noch immer keine vollständige Inklusion, noch immer Atomkraft, noch immer soziale Spannungen, noch immer Ausländerfeindlichkeit, keine breiten Demonstrationen

Bayern will sich Menschenrechte behinderter Menschen sparen

Der Bayerische Gemeindetag, Bayerische Städtetag und Bayerische Landkreistag haben in einem gemeinsamen Brief umfangreiche Einsparvorschläge präsentiert, die detailliert auf Einsparungen im Bereich der Eingliederungshilfe, aber auch in anderen Bereichen (Pflege, Kinderbetreuung etc.) abzielen. Diese Vorschläge wurden aufgrund einer Bitte des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) erarbeitet. Auch wenn diese Vorschläge bisher nur Bayern betreffen, ist zu vermuten, dass auch andere Bundesländer diese Ideen aufgreifen werden. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund präsentiert Ideen in diese Richtung. Der hessische Ministerpräsident Koch forderte bereits nach den Landtagswahlen in Nord-Rhein-Westfalen stärkere Sparschritte im sozialen und Bildungsbereich. Drei Vorschläge und Forderungen aus dem bayerischen Papier sind:

  • Einschränkung des Wunsch- und Wahlrechts in der Jugend- und Eingliederungshilfe durch den Bund;
  • Bevorzugung von Zeibettzimmern in Pflegeeinrichtungen für Sozialhilfeempfänger durch den Bund;
  • Eingrenzung der Dokumentationspflichten in der Pflege, da bis zu 30% der Arbeitszeit von Pflegekräften gebunden wird.

Diese Vorschläge haben eine doppelt schlimme Wirkung auf behinderte Menschen. An erster Stelle fällt die dreiste bayerische Forderung auf, die Grund- und Menschenrechte behinderter Menschen zu verletzen, mit dem schlichten Argument: Das ist zu teuer! Zweitens werden unverblümt Schritte gefordert, die die Qualität der Dienste, auf die gerade schwerst- und mehrfach behinderte Menschen angewiesen sind, höchstwahrscheinlich einschränken werden.

Erschreckend ist vor allem, dass diese Entwicklungen von der Presse bisher kaum beachtet wurden, abgesehen von Roland Kochs Äußerungen. 2008 umfassten die Nettoausgaben von 11,2 Milliarden EURO für die Eingliederungshilfe behinderter Menschen in Deutschland (Deutscher Städtetag 2010, S. 19) gerade einmal 7,5% der Summe von 148 Milliarden EURO, die am heutigen Freitag (20. Mai 2010) durch den Bundestag abgesegneten wurde.

Wie sich die Sparvorschläge entwickeln werden ist fraglich. Gute Prognosen gibt es wahrscheinlich nicht. Wenn schon in dieser Phase schwerwiegende menschenrechtliche Einschnitte diskutiert werden, wird deutlich, dass der Wind noch kälter werden wird.

So long….

Selbstbetrachtung nichtbehinderter Menschen

Der Tagesspiegel vom 17. April enthielt einen spannenden Artikel zu dem eigentlichen Problem Behinderung. Es ist ein Artikel einer nicht-behinderten Person, Elisabeth Wagner, und reflektiert kurz über die geschichtlichen Entwicklungen und vor allem den Umgang von uns – nicht-behinderten Menschen – mit behinderten Menschen.

So long….

Alles anders herum

Die Britische „Disability Rights Commission“ haben einen Spot auf Youtube, der auf drastische Art zeigt, wie sich Diskriminierung anfühlt.

Ein belgischer Spot

Dieser Spot auf Youtube stammt von einem belgischen Verein, der für die Teilhabe von behinderten Menschen  eintritt. Im Grunde genommen seht ihr in dem Spot einen Mann, der im Restaurant über Frauen herzieht und sehr sexistisch ist. Am Ende ändert sich die Kameraperspektive und ihr seht, dass der Mann in einem Rollstuhl sitzt. Die Stimme aus dem Off sagt: „Dieser Mann ist behindert. Aber vor allem ist er ein Arschloch. Behinderte Männer und Frauen sind Menschen wie alle anderen“.

A Parking Space named Desire aus Mazedonien

In meinem Job bei Handicap International war ich in Kontakt mit der mazedonischen Organisation Polio Plus, die sich vor allem im Bereich Sensibilisierung gute Kampagnen hatten, die allerdings recht heftig sind. Der folgende Spot ist ein schönes Beispiel:

Förderschulen sind zu teuer und geben wenig Perspektiven

Irgendwie war es ja klar. Förderschulen sind teuer und sie geben den Schüler/innen wenig Perspektiven im weiteren Leben.  Das sagt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Auf der Internetseite heißt es: “Je länger ein Schüler eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen besucht, desto ungünstiger entwickeln sich seine Leistungen.” Das überrascht nicht. In meiner Arbeit mit jungen lernbehinderten Menschen auf dem Weg ins Berufsleben ist klar, dass diejenigen, die aus einer Sonderschule kommen sich schlechter an den Arbeitsmarkt gewöhnen können.

Ich werde mir den Bericht in Ruhe durchlesen müssen, um zu sehen in wie weit die Schulstrukturen und auch die Sonderschullehrer selbst an diesem Zustand ihren Anteil haben. Aber nach dem ersten Durchblick scheint der Bericht sehr lesenswert zu sein.