Wie gründet man ein Integrationsunternehmen III: Aktiv werden

Nach dem wälzen von Theorie, Konzepten und Bedenken über die kooperative Beschäftigung ist eine logische Folge der Versuch, ein Integrationsunternehmen in Berlin und Brandenburg zu gründen. Dies wird zwar etwas dauern, da mit den entsprechenden Kostenträgern und Verwaltungen noch Fragen geklärt werden müssen, die Finanzierung gesichert werden muss und dann die Unternehmen angesprochen werden. Dennoch ist Inklusive:Entwicklung auf der Suche nach Kommentaren und eventuell auch Mitstreiter/innen die ein Interesse haben, ein innovatives Integrationsunternehmen zu gründen.

Die Grundidee

Es soll ein Integrationsunternehmen für den Raum Berlin und Brandenburg gegründet werden, dass auf den Erfahrungen von Füngeling Router im Raum Köln aufbaut. Die Idee ist es langfristig behinderte Menschen mit kognitiven Behinderungen (vor allem Lernbehinderungen) im Integrationsunternehmen zu qualifizieren und dann in regionalen Wirtschaftsunternehmen zu beschäftigen. Vorausgeht eine Qualifizierung direkt in Unternehmen gemäß dem Prinzip „erst platzieren, dann qualifizieren“. Ein kurzes Konzept der Umsetzung eine Integrationsunternehmens in Berlin und Brandenburg wurde bereits ausgearbeitet (klicken Sie hier).

Ausgangslage

  • Regionale Unternehmen suchen langfristige zuverlässige Mitarbeiter für Helfertätigkeiten
    –>Sie finden zu wenige zuverlässige Mitarbeiter
  • Regionale Unternehmen wollen behinderte Menschen einstellen, wenn sie langfristige Unterstützung bekommen
    –>Bisher gibt es keine entsprechenden Unterstützungsmechanismen
  • Behinderte Menschen suchen Ausbildungs- und Arbeitsplätze in regionalen Unternehmen
    –>Viele finden keinen Einstieg in Unternehmen

Ausgangsidee

  • Ein Integrationsunternehmen unterstützt Unternehmen in der Beschäftigung schwerbehinderter Arbeitnehmer
  • Bereitstellung betrieblicher Lern- und Qualifizierungsmodulen in regionalen Unternehmen
  • Angebot betriebsintegrierter flankierender Schulungen für junge Menschen mit Schwerbehinderung

Ziel

  • Schaffung einer kooperativen Struktur zwischen einem Integrationsunternehmen und regionalen Wirtschaftsunternehmen, durch die Menschen mit Schwerbehinderung langfristig am Arbeitsmarkt teilhaben können.
  • Bereitstellung langfristiger Qualifizierungs- und Unterstützungsmechanismen durch die kooperative Beschäftigung oder direkt in regionalen Wirtschaftsunternehmen
  • Aus Unternehmen heraus Ausbildungs- und Arbeitsplätze identifizieren, orientiert am Bedarf des Unternehmens und des Menschen mit Behinderung.

Der Ansatz

Ziel des Ansatzes der kooperativen Beschäftigung ist es, Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Unternehmern in Unternehmen langfristige Perspektiven zu bieten. Während die Menschen mit Behinderung einen sozialversicherungpflichtigen Vertrag mit dem Integrationsunternehmen haben, arbeiten sie aber in regionalen Wirtschaftsunternehmen und werden direkt von Arbeitstrainern begleitet. Die enge Begleitung ermöglicht die genaue Platzierung und Qualifizierung in Unternehmen. Flankierende Schulungen unterstützen die Beschäftigung.

Der Ablauf

  • Das Integrationsunternehmen identifiziert zusammen mit Wirtschaftsunternehmen Menschen mit Behinderung für konkrete Arbeitsplätze
  • Eine Zielvereinbarung zwischen dem Unternehmen, dem Integrationsunternehmen und dem Menschen mit Behinderung definiert den Unterstützungsbedarf und den Rahmen der Beschäftigung
  • Die Beschäftigung im Unternehmen wird eng von einem Arbeitstrainer begleitet. Eventuelle flankierende Schulungen werden angeboten

Die Vorbereitung

  • Je nach Bedarf finden Qualifizierungen analog zur Unterstützten Beschäftigung statt
  • Individuelle Vorbereitungen werden mit allen Akteuren organisiert unter Einbindung der Kostenträger
  • Mögliche Überschneidungen zu Integrationsfachdiensten, Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Bildungsträgern werden genutzt

Der übergeordnete Rahmen

Dieser Ansatz richtet sich an der UN Behindertenrechtskonvention aus. Er geht auf das Umfeld und die Person mit Behinderung ein. Die Perspektive der Inklusion geht vom Sozialraum aus und ermöglicht so eine realistische Einschätzung aller Bedingungen. Ziel ist die langfristige Beschäftigung in Unternehmen und die Nutzung von Kapazitäten dort. Die kooperative Beschäftigung zielt auf eine Win-Win Situation für beide Seiten ab.

Interesse

Bei Interesse an diesem Ansatz oder Interesse sich an dem Aufbau eines Integrationsunternehmens in Berlin zu beteiligen, kontaktieren Sie bitte Stefan Lorenzkowski (stefan (AT) lorenzkowski (Punkt) eu).

So Long….

2 Gedanken zu „Wie gründet man ein Integrationsunternehmen III: Aktiv werden“

  1. In Ergänzung zu meiner Mail vor ein paar Minuten (unter KONTAK):

    Knittel-Update | 20.04.2011
    Integrationsprojekt vor dem Aus
    Das Integrationsprojekt der Füngeling Router GmbH aus Frechen lernt behinderte Menschen an, damit sie in der freien Wirtschaft arbeiten können. Eine neue EU-Richtlinie bedroht jetzt das Integrationsprojekt, und es könnte zu Entlassungen kommen.
    Das Integrationsprojekt der Füngeling Router GmbH aus Erftstadt, das im Jahr 2004 startete, erntete viel Anerkennung. 130 Menschen profitieren aktuell von dem Projekt, dass dem politischen Willen entspricht, Behinderte in möglichst alle Bereiche der Gesellschaft zu integrieren. Eine neue EU-Richtlinie könnte den Integrationsbetrieb nun gefährden. „Im schlimmsten Fall werden wir ab November Menschen entlassen müssen“, sagt Monika Labruier, Geschäftsführerin von Füngeling Router. 20 behinderte Arbeitnehmer könnte es treffen, vielleicht auch mehr.
    Gefährdet ist der Integrationsbetrieb ausgerechnet, weil die EU für gerechte Löhne sorgen will: Sie will mithilfe einer Richtlinie sicherstellen, dass Leiharbeiter tarifgemäß bezahlt werden. Weil auch das Erftstädter Unternehmen seine Mitarbeiter an andere Firmen ausleiht, um sie auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubekommen, fällt der Betrieb unter das so genannte Arbeitnehmer-Überlassungsgesetz. Ausnahmen sind nicht vorgesehen. „Wir zahlen den Menschen einen leistungsentsprechenden Lohn, der bei 6 € pro Stunde anfängt“, sagt Labruier. Bei den Arbeitnehmern handelt es sich aus der Sicht von Füngeling Router, der Brühler Agentur für Arbeit und dem zuständigen Integrationsamt nicht um Leiharbeiter im klassischen Sinne, da die Menschen aus gemeinnützigen Integrationsunternehmen kämen. „Gerade junge Menschen, die nach der Schule sonst nur eine Beschäftigung in einer Werkstatt finden könnten, erhalten dank Füngeling Router und seinen Partnerunternehmen die Möglichkeit, langsam in die Rolle des Arbeitnehmers hineinzuwachsen“, sagt Dr. Helga Seel, Leiterin des Integrationsamts des Landschaftsverbands Rheinland.
    (Quelle: Kölner Stadtanzeiger)

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