Die Barrieren in den Köpfen

Am 8. Februar hat die Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Interview zwischen dem Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss-Lausitz und dem Sonderschulleiters (sic!) Thomas Stöppler, der gleichzeitig der Vorsitzende des baden-württembergischen Verbandes Sonderpädagogik e.V. ist, mit dem Titel Das Recht auf Miteinander veröffentlicht. In dem Gespräch geht es um den Sinn und Unsinn von sonderpädagogischen Fördereinrichtungen.
Die Positionen der beiden Gesprächspartner sind von Beginn an deutlich:

  • Herr Preuss-Lausitz, als ein bekannter Verfechter integrativer Ansätze in der Schule, sieht die Sonderschulen als überflüssig an.
  • Herr Stöppler, als Sonderschullehrer und Teil eines Standesverbandes der Sonderpädagogen, sieht in den Sonderschulen als Notwendigkeit für die entsprechende individuelle Förderung an.

Herr Preuss-Lausitz argumentiert, dass bereits die Zuweisung auf die Sonderschulen nicht eindeutig ist. Anhand der Beispiele verschiedener Bundesländer legt er dar, dass die Anteile behinderter Schüler an den einzelnen Schulen auf Verzerrung in der Zuweisung hinweisen.

Herr Stöppler verwies einfach darauf, dass es wichtig ist, für behinderte Schüler innerhalb einer homogenen Gruppe unterrichtet zu werden, da an Regelschulen keine Schüler mit ähnlichen Lebenserfahrungen sind. Wenn seit Jahrzehnten behinderte Schüler an Sonderschulen unterrichtet werden, ist es kein Wunder, dass die Kultur des gemeinsamen Lernens nicht von jetzt auf gleich verwirklicht werden kann. Außerdem geht es auch Schülern ohne Behinderung so, dass sie keine Schüler mit ähnlichen Erfahrungen an der Schule kennen lernen. Dies ist – zum Teil – eine Erfahrung, die zum Leben gehört, auch wenn dies nicht immer angenehm ist.

Zusätzlich scheint er einem Weltbild zu folgen, in dem behinderte Kinder nicht gesund sind: „Diese Schüler kann man nicht alle mit gesunden Kindern so nebenbei im Klassenraum unterrichten!“. Da fragt man sich schon, ob er nicht die Diskussionen der letzten Jahre einfach verpasst hat. Ein behindertes Kind ist nicht krank …. nun es kann krank werden und eine Erkältung bekommen, aber eine Behinderung ist keine Krankheit.

Herrn Stöpplers Argumente gehen immer wieder in die Richtung, dass behinderte Schüler nicht entsprechend an Regelschulen unterrichtet werden können. Dass dies auf eine Schulstruktur zurückgeht, die per se ausgrenzend ist, ein wesentliches Merkmal des dreigliedrigen Schulsystems, scheint ihm nicht klar zu sein. Einerseits redet er über die individuelle Förderung einzelner Schüler, aber andererseits bevorzugt er diese Personengruppe in der Gruppe an Sonderschulen zu unterrichten.

Dieses Interview ist kein besonderes. Die Argumente von beiden Seiten sind altbekannt und eigentlich ist es nicht notwendig, diese zu diskutieren. Aber es ist ein Beispiel, dass alle Argumente beider Seiten prägnant zusammenfasst und allen vor Augen führt.

So long….

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