Behinderung international

Entwicklungszusammenarbeit und Behinderung; in Deutschland findet dieses Thema kein großes Interesse. Bei der Eröffnungsveranstaltung der Wanderausstellung „Entwicklung ist für Alle da“ des Vereins Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit wurde dies zum wiederholten Male deutlich. Obwohl der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von behinderten Menschen – Herr Hüppe – und auch die Geschäftsführerin der Initiative Selbstbestimmt Leben – Frau Sigrid Arnade – zu den Themen Behindertenrechtskonvention und Entwicklungszusammenarbeit sprachen, kamen nur 15 Zuhörer/innen zu der Veranstaltung in das Kleisthaus in Berlin Mitte am 9. Februar 2010.
Alle Redner/innen hoben die Bedeutung der Behindertenrechtskonvention (BRK) für Deutschland hervor, vor allem im Hinblick auf Entwicklungszusammenarbeit. Herr Hüppe unterstrich, dass die BRK eine Zusammenarbeit „auf gleicher Augenhöhe zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern“ meint. Auch wenn es in Deutschland ein breites Unterstützungsangebot für behinderte Menschen existiert, muss hier noch ein weiter Weg zurückgelegt und Entwicklungen initiiert werden, bis die Gesellschaft inklusiv ist.
Frau Arnade stellte die Bedeutung der BRK für Deutschland dar. Die Konvention ist keine Neuformulierung der Menschenrechte für behinderte Menschen, da die bisherigen Konventionen für alle Menschen gelten. Vielmehr wird die Bedeutung der Menschenrechte durch die BRK auf die Lebenswirklichkeit behinderter Menschen übertragen. Für Deutschland sieht Frau Arnade einen großen Handlungsbedarf, der bisher auch von der schwarz-gelben Regierungskoalition bisher nicht angegangen wurde.
Die Vertreterin des Vereins Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit – Frau Bübl – ging auf den Artikel 32 „Internationale Zusammenarbeit“ der BRK ein und unterstrich nochmals die Zusammenhänge von Armut und Behinderung. Werden die Belange von behinderten Menschen nicht angegangen, dann können auch nicht die Millenniums Entwicklungsziele der Vereinten Nationen erreicht werden.
In Deutschland gibt es nur wenige Vereine und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die sich nicht ausschließlich auf behinderte Menschen konzentrieren, sondern sie inklusiv in ihre Projekte mit einbeziehen. Eine Ausnahme ist der Verein Solidarität International . Die Geschäftsführerin Frau Werther präsentierte ein solches inklusives Projekt aus Vietnam. Abgeschlossen wurden die Präsentationen von Frau Barbara Zwosta, die mit dem Verein Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit im Rahmen des Programmes weltwärts für acht Monate in einem Projekt für die Unterstützung behinderter Kinder in Südafrika war.
Was bleibt nach der Veranstaltung? Wahrscheinlich nicht sehr viel. Behinderte Menschen werden häufig nicht als Priorität gesehen, weder in Deutschland noch in der internationalen Zusammenarbeit. Dennoch ist deutlich, dass sich dieses Thema immer mehr Gehör verschafft, da es alle Menschen betreffen kann.

Schreibe einen Kommentar