Blackbox Kita

Durch meine Arbeit im Bereich Inklusion, Menschenrechte und internationale Entwicklung arbeite ich viel im Bereich Teilhabe, Zivilgesellschaft und Empowerment. Über meine eigenen Kinder, die in einer Neuköllner Kita sind, rutschte ich in nun in die Rolle der eigentlichen Zielgruppen meiner beruflichen Tätigkeit: Menschen deren Rechte nicht erfüllt werden und die nicht einbezogen werden. Die Thematik ist eine andere, es geht nicht um die menschenrechtliche Arbeit von Menschen mit Behinderung, sondern um die sozialraumorientierte Arbeit in einem heute hippen Neuköllner Kiez.

Erst wenn es brennt beginnt man sich zu bewegen

Eigentlich war alles in Ordnung in der Kita unseres Kindes: die Kinder waren fröhlich, die Öffnungszeiten waren zuverlässig und es war nicht nötig, sich enger mit diesem Sozialraum auseinander zu setzen. Im Großen und Ganzen sah man die Eltern beim Hinbringen oder Abholen, es gab die unverbindlichen Gespräche mit den Erzieher*innen und am Ende die übliche Frage ans Kind: „Was habt ihr heute gemacht?“, die mit einem fröhlichen „Keine Ahnung“ beantwortet wurde. Ok, abends kam dann doch noch das eine oder andere heraus.
Dann auf einmal fing es an zu knirschen. Erst verschwand die eine Erzieherin, dann noch eine, bis auf einmal viele weg waren. Die Betreuung war nicht immer sichergestellt und auch die Kinder waren weniger fröhlich. Die Gespräche mit den Eltern und Erzieher*innen kreisten immer öfter um die Kita Situation, ohne eine Lösung zu bekommen.

Blackbox Kita

Ganz langsam stellten wir Eltern fest, dass uns keine Lösung angeboten würde. In einzelnen Gesprächen sammelten wir die Fragen, die Gerüchte und Frustrationen. Mit den Erzieher*innen gab es immer mehr Tür und Angel Gespräche, ohne dass irgendwelche Informationen herauskamen. Wir wurden vertröstet mit „Macht euch mal keine Sorgen“, „wir stellen doch noch ein“ und „Na ja, die anderen Erzieher*innen haben halt nen Job näher bei ihrer Wohnung“. Kurz, die Kita war eine Blackbox und die einzige Lösung war, Gruppen zusammen zu legen, wodurch die Kinder sehr irritiert waren.

Und die Lösung?

Bald war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Manchmal mussten wir die Kinder eher abholen und den Erzieher*innen merkten alle die Müdigkeit an. Wir sahen, dass alle Gruppen die gleichen Probleme hatten und wollten uns nichts gegenseitig wegnehmen. Wir setzen uns als Eltern zusammen und tauschten Ideen, Internetrecherchen und Erfahrungen aus, ohne die Situation damals zu verändern. Eine Lösung sahen wir noch nicht.
Aber dies war erst der Beginn unserer Reise in die Bereiche Eltern- und Kinderbeteiligung. Aber dazu kommt erst später mehr…