Migration und Behinderung

[Update 2. August 2011]
Die Examensarbeit steht jetzt auch als Datei im epub Format für Ebook Lesegeräte zur Verfügung.
Examensarbeit über die Kommunikation zwischen Migrantenfamilien und der Schule für Schüler mit geistiger Behinderung im epub Format
[Update]

Migranten machen einen wesentlichen Teil der deutschen Bevölkerung aus. Immer wieder wird diese Bevölkerungsgruppe diskriminiert und es wird ihnen der Zugang zu wichtigen Diensten erschwert. Zusätzlich verfestigen Veröffentlichungen von gewissen Politikern die allgemeine Wahrnehmung von Migranten als nicht integrierbar.

Ein Blick in die Berlin Schulstatistiken 2010/2011 zeigt, dass die Zahl von Schülern „nichtdeutscher“ Herkunftssprache in Schulen mit dem Schwerpunkt Lernen im Schuljahr 2010/2011 weiterhin den steigenden Trend belegt. Insgesamt besuchen 27,9% von Schülern mit „nichtdeutscher Herkunftssprache“ die Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und die Schulen mit dem Förderschwerpunkt geistiger Entwicklung 33,2%. Insgesamt macht dieser Personenkreis 31,7% der Berliner Schülerschaft aus.

Das Thema Migration und Behinderung hat immer noch nicht den Stellenwert, den es eigentlich haben müsste. Vor 10 Jahren bereits setzte ich mich in einer Examensarbeit mit diesem Thema auseinander. Auch wenn die Inhalte dieser Arbeit nicht mehr ganz aktuell sind, sind die Feststellungen trotzdem noch gültig:

Wie sich innerhalb des Sommers und Herbstes des Jahres 2000 zeigte, scheint auf der politischen wie auch auf der gesellschaftlichen Ebene keine Klarheit zu bestehen, wie mit Migranten in Deutschland umgegangen werden soll. Die Debatten zur sogenannten „deutschen Leitkultur“, um die gesetzlichen Regelungen zur „Zuwanderung“ oder auch die fremdenfeindlichen Übergriffe verdeutlichen dies. Diese Debatten, die in der deutschen Mehrheitsgesellschaft geführt werden, lassen bei den Migranten Unsicherheiten über ihre Standpunkte und ihre Möglichkeiten in Deutschland entstehen. Diese gesamtgesellschaftlichen Erscheinungen können sich auch auf die gegenseitige Wahrnehmung von Migranteneltern und der Schule für Geistigbehinderte auswirken. Um sich aber nicht hinter diesen Diskursen zu verstecken ist es von beiden Seiten notwendig, aufeinander zuzugehen. Damit Migranten in Deutschland das Gefühl haben, sich eine Zukunft aufbauen zu können, müssen aber die mehrheitlich deutsch geprägten Institutionen Angebote machen und Informationen anbieten.
Für Ansätze einer Zusammenarbeit, die die Bedürfnisse der Migranten mit einbezieht, bietet gerade die Schule für Geistigbehinderte verschiedene Möglichkeiten, im organisatorischen und im persönlichen Bereich, auf die ich im folgenden eingehen werde. Sie orientieren sich an der unmittelbaren Schulkonzeption, die sich an der Lebenswelt der Menschen mit geistiger Behinderung orientiert und ihre Umwelt mit beachtet.

Aufgrund von Anfragen die mich noch erreichen, stelle ich die gesamte Examensarbeit als Download zur Verfügung. Die benutzte Terminologie ist teilweise nicht mehr aktuell.

So long….

Wie gründet man ein Integrationsunternehmen IV: die Gesellschaftsform

Für die Form der Integrationsfirma ist die Gesellschaftsform von großer Bedeutung. Sie bestimmt zum einem die inhaltliche Ausrichtung, die Teilhabemöglichkeit anderer Vereine sowie Gesellschaften und die Akzeptanz durch externe Stellen. Besonders für Integrationsunternehmen mit dem Ansatz der kooperativen Beschäftigung, wie sie in Teil III dieser Serie beschrieben wurden, ist die Gesellschaftsform ausschlaggebend für die wirtschaftliche Stabilität.

Mögliche Formen

Es gibt drei Gesellschafts- bzw. Organisationsformen, die in Frage kommen:

  • Der eingetragene Verein ist im sozialen Bereich weit verbreitet. Er hat gewisse Vorteile, wie die Einbindung weitere gesellschaftlicher Gruppen alleine durch die Anforderungen des bürgerlichen Gesetzbuches. Auf der anderen Seite kann er für ein soziales Wirtschaftsunternehmen recht träge sein. Außerdem können gewisse wirtschaftliche Aktivitäten, wie es auch die kooperative Beschäftigung ist, nicht ohne weiteres durchgeführt werden. Also kommt ein Verein nicht unbedingt in Frage. Dennoch kann eine Förderverein den Aufbau einer Integrationsfirma durchaus unterstützen.
  • Die GmbH setzt sich im gemeinnützigen Bereich immer mehr durch. Sie kann wirtschaftliche Tätigkeiten durchführen und gleichzeitig in der Haftung begrenzt sein. Dadurch können unternehmerische Risiken begrenzt werden, wie es z.B. im Verein nicht ohne weiteres möglich wäre. Ein großes Problem ist die Einlage von 25.000,00 Euro bei Gründung. Ansonsten kann eine GmbH eine sinnvolle Wahl für den Aufbau einer Integrationsfirma sein.
  • Das recht neue Modell einer Unternehmergesellschaft oder Mini-GmbH ermöglicht die Gründung einer Gesellschaftsform, die recht schnell handlungsfähig ist, da die Einlage bei 1,0 Euro beginnt. Dazu kommen noch administrative Kosten für einen Notar und die Eintragung in entsprechende Register, die aber überschaubar sind. Die EInlage von 25.000,00 Euro wird durch 25% des Jahresgewinnes angespart.

Die Entscheidung

Für die Gründung der Integrationsfirma fiel in unserem Fall die Entscheidung auf eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft. Diese Gesellschaftsform bietet genug Flexibilität in der Gründung und kann durch die Gemeinnützigkeit auch Mittel in der Aufbauphase beantragen. Da kein großer Träger hinter der zu gründenden Integrationsfirma steht, sind diese Mittel in den ersten Jahren wichtig. Im Zentrum muss aber die Wirtschaftlichkeit stehen, um ausreichend Spielraum zu haben für die Aktivitäten in der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Die Gesellschaftsform ist für andere Wirtschaftsunternehmen wichtig, damit eine Kommunikation auf gleicher Ebene stattfinden kann.
In den nächsten zwei Monaten wird der Gesellschaftsvertrag dem Finanzamt zur Prüfung der Gemeinnützigkeit übermittelt und im Anschluss muss diese durch den Notar beglaubigt werden, damit die „Geburt“ der gemeinnützigen Unternehmergesellschaft geschehen kann. Im Anschluss werden Anträge bei verschiedenen Stiftungen gestellt für die Sicherung der Anschubfinanzierung.

Möglichst große Unabhängigkeit

Die Entscheidung, die Integrationsfirma ohne einen großen Träger im Hintergrund zu gründen hat sowohl positive wie auch negative Aspekte. Auf der positiven Seite steht die Unabhängigkeit im Aufbau, die Offenheit gegenüber verschiedenen Trägern für eine möglichst gute Sozialraumorientierung und die Flexibilität im Umgang mit Wirtschaftsunternehmen. Auf der negativen Seite steht natürlich die finanzielle Absicherung, das fehlende „Mutterschiff“, das bei Schwierigkeiten eingreift aber auch gewisse Vorbehalte durch Kostenträger und in der allgemeinen Landschaft der Träger gegenüber neuen Akteuren.
Im Großen und Ganzen ist aber die Unabhängigkeit ein wichtiges Element in der Aufbauphase und der Etablierung der Integrationsfirma. Das Manko des fehlenden „Mutterschiffes“ wird durch direkte Kooperation mit anderen Integrationsunternehmen abgefedert. Den Vorbehalten durch Kostenträger wird durch Transparenz und dem Gesellschaftervertrag entgegengewirkt, um Bedenken zu entkräften.

So long ….

Wie gründet man ein Integrationsunternehmen I

Beschäftigungsmodelle zur Beschäftigung behinderter Menschen gibt es viele. Dieser Blog hat verschiedentlich darüber aus verschiedenen Perspektiven berichtet. Dieses waren zum Beispiel die WfbMs und allgemeine beschäftigungspolitische Aspekte. Aber das alleinige Schreiben über neue und innovative Ansätze der Beschäftigung schwerbehinderter junger Menschen reicht auch nicht.

Wie wird ein Integrationsunternehmen gegründet?

Es stellte sich die Frage, wie ein Integrationsunternehmen gegründet werden kann, dass sich auf die integrative Arbeitnehmerüberlassung bezieht. Reicht die reine Beschäftigung im Integrationsunternehmen aus? Oder braucht man noch Qualifizierungen im Unternehmen? Und wie kann die iAÜ erklärt werden, ohne dass der Verdacht der Ausnutzung entstehen kann?
In den Erklärungen und Treffen der letzten Monate waren dies wichtige Fragen die aufkamen. Und es wurde immer deutlicher: die iAÜ hat nichts mit der allgemein bekannten Leiharbeit zu tun. Sie ist vielmehr ein Modell, schwerbehinderten Menschen langfristig Unterstützung im Arbeitsleben zukommen zu lassen und gleichzeitig den individuellen und sozialräumlichen Bedingung gerecht zu werden.

Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können. (Artikel 1 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung

Vor diesem Hintergrund ist klar, in welche Richtung das Integrationsunternehmen gehen kann:

  • Anknüpfen am Bedarf der Unternehmen nach qualifizierten Mitarbeitern auch in Nischenbereichen
  • Einen individuellen Rahmen für schwerbehinderte Menschen gestalten, der ihre Fähigkeiten mit den Bedarfen von Unternehmen verbindet
  • Anknüpfen an bestehende Netzwerke

Und vor allem: nicht die Schaffung neuer Produktionsbereiche sondern die Offenheit von Unternehmen nutzen, um mit ihnen qualifizierte Mitarbeiter im Rahmen der iAÜ oder noch treffender: der kooperativen Beschäftigung zu beschäftigen. Und es gibt erfolgreiche Beispiele: das Integrationsunternehmen Füngeling Router.

So long….

[Diese Reihe wird unregelmäßig fortgesetzt]

Seminare für inklusive Entwicklung

In der allgemeinen Entwicklungszusammenarbeit finden sich auch heute nur sehr selten inklusive Initiativen, die darauf abzielen, die darauf abzielen inklusive Strukturen und Ansätze zu fördern. Sie werden hauptsächliche durch gesonderte Projekte adressiert oder durch spezielle Organisationen. Eine der wesentlichen Schwierigkeiten ist, dass viele Organisationen und Agenturen der Entwicklungszusammenarbeit sich an die Thematik nicht heran trauen, da es ihnen an grundlegendem Wissen fehlt.
bezev (Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V.) möchte diesen Mangel durch eine Reihe von Seminaren mindern. Diese Seminare wurden im Kontext der Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung konzipiert. Sie finden im Juli und September erstmalig statt und richten sich speziell an MitarbeiterInnen der Entwicklungszusammenarbeit. Auch interessierte Einzelpersonen sind eingeladen, daran teilzunehmen.
In der Rundmail vom 4. Juni 2010 stellt der Verein fest:

Die Umsetzung der UN-Konvention kann nicht von den wenigen Fachorganisationen geleistet werden, die in diesem Bereich tätig sind. Inklusion ist eine gemeinsame Aufgabe aller Akteure der Entwicklungszusammenarbeit, da Menschen mit Behinderung Teil aller Zielgruppen der Armutsbekämpfung sind. Man muss kein/e ExpertIn sein, um Projekte für Menschen mit Behinderung zugänglich zu machen.

Die beiden Termine für diese Fortbildungen sind am:

  • 2. Juli 2010: Menschenrechte und inklusive Entwicklung. In diesem Seminar wird ein Überblick gegeben über die wesentlichen Leitlinien einer menschenrechtlich orientierten Entwicklungszusammenarbeit.
  • 24. September 2010: Einführung in die inklusive Projektplanung. Dieses Seminar spricht vor allem Planerinnen und Planer von Projekten und Programmen an, die behinderte Menschen einbeziehen möchten.

Beide Seminare finden in der Jugendherberge Köln-Riehl statt, die barrierefreie Seminarräume anbietet und parallel dazu auf betriebsintegrierten Arbeitsplätzen Beschäftigten aus Werkstätten für behinderte Menschen anbietet. Diese werden durch das Kölner Integrationsunternehmen gemeinnützige Füngeling Router GmbH begleitet. Durchgeführt werden die Seminare von Mareike Büberl (bezev) und Stefan Lorenzkowski (dem Verantwortlichen für dieses Blog).
Weitere Informationen finden Sie im Flyer über die Seminare für eine inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Anmelden können Sie sich mit dem Anmeldeformular für dieses Seminar. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des bezev.
In Zukunft wollen wir weitere Module für diese Fortbildung entwickeln, die in erster Linie auf die internationale Entwicklungszusammenarbeit ausgerichtet sind. Langfristig ist die Idee, solche Seminare für die Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland anzubieten auch nicht unattraktiv.

Update 6. Juni 2010: Auf der Internetseite von Stefan Lorenzkowski finden Sie weitere Informationen zu diesen Fortbildungen.

So long….